
Die Spruchkammer hatte wahrlich keinen einfachen Job.
Die Kreisspruchkammer tagte sehr lange, von 19.00 bis 22.47 Uhr dauerte die Beweisaufnahme. Dann zog sich die Spruchkammer zur Beratung zurück und erst um 23.55 Uhr also sprichwörtlich „Fünf vor zwölf“ wurde das Urteil verlesen und begründet.
Das Urteil in Kürze: Spielwertung gegen Gencler Birligi mit 0:2 Toren und 0 Punkten – Wertung für Homburg-Nümbrecht mit 2:0 Toren und 3 Punkten – 2 Jahre Sperre für Sven Eichmeier wegen Tätlichkeit gegen den Schiedsrichterassistenten – 1 Jahr Sperre für Senal Kilic wegen Tätlichkeit gegen den Schiedsrichterassistenten – 3 Monate Sperre für Tarek Sahin wegen rassistischer Beleidigung des Schiedsrichterassistenten – weiter Speere gegen Kasra G. Chaee (unsportliches Verhalten) und eine Geldstrafe gegen Vorstandsmitglied Ergin Kanli und somit insgesamt über 800 € Strafe und Kosten für Gencler.
Wie kam es dazu? Kurzer Rückblick:
Das Spitzenspiel der Kreisliga A Berg vom 29.5.2011 wurde beim Stande von 2:1 für Gencler Birligi gegen den SSV Homburg-Nümbrecht vom Schiedsrichter Cem Salhigan in der zweiten Halbzeit abgebrochen. „Ich hatte Angst nach den ganzen Vorkommnissen und in so einer Situation muss ich ein Spiel abbrechen“, so der Schiedsrichter der Partie.
Der Reihe nach: Zuerst zeigte Schiedsrichter Assistent Rainer Richerzhagen bei einer Spielunterbrechung per Fahnenzeichnen eine Meldung an den Schiedsrichter an und Sven Eichmeier (Gencler) wurde wegen versuchten Kopfstoß mit Rot vom Feld geschickt. Doch dazu kam es nicht. Es entwickelten sich Tumult artige Szenen. Dabei sah es die Kammer als erwiesen an das die Gencler Spieler Eichmeier (Tritt in Hüft-Bauchhöhe gegen den Schiedsrichter Assistent Rainer Richerzhagen), Sener Kilic (Einen Schlag auf den Hinterkopf von Schiedsrichter Assistent Rainer Richerzhagen) und der Spielführer Tarek Sahin (Beleidigung: „Hurensohn und Nazzi“ gegen den Schiedsrichter Assistent Rainer Richerzhagen), Kasra G. Chaee (unsportliches Verhalten) und Vorstandsmitglied Erkan Kanli (Beleidigung gegen den Schiedsrichter Assistent Rainer Richerzhagen) sich allesamt im sportrechtlichen Sinne schuldig verhalten haben.
… und es war wie immer bei solchen Spruchkammerverhandlungen, die eine Seite hat alles gesehen und die andere Seite kann sich wirklich nicht erklären warum und wie das überhaupt passieren konnte.

Der Spruchkammer Vorsitzende Stefan Flock nach Verkündung und Begründung des Urteils.
Also wahrlich kein leichter Job für die Kreisspruchkammer die zudem ja wegen des letzten Spieltags am Pfingstmontag gehörig unter Zeitdruck stand und so auch die Verhandlung ohne den kurz zu vor in die USA abgereisten Gencler Spielführer Tarek Sahin durchführte. Die Kammer hatte ja nicht zu entscheiden warum es zu den Ausschreitungen auf dem Aschenplatz an der IGP kam aber ein Name fiel ja immer wieder: Rainer Richerzhagen, der selbst die Situation wie folgt schilderte: „Ich fühlte wie ein Schwein das über den Platz getrieben wird“, so der ungewollt im Mittelpunkt stehende Schiedsrichter Assistent auf der Zuschauerseite der IGP, der sich als Schiedsrichteransetzer kurzfristig für die Partie als Assistent selbst ansetzte und das obwohl ihn Gencler Trainer Erkan Kanli: „Aufgrund der Erfahrungen mit Herrn Richerzhagen hätten wir ihn bei einer vorher bekannte Ansetzung als Schiedsrichter abgelehnt“.
Bitte nicht falsch verstehen, das soll kein Freibrief für Vereine oder Mannschaften sein, es darf niemals im Fußball zu solchen Ausschreitungen kommen, das ist einfach unwürdig für den Sport. Aber ein bisschen „Fingerspitzengefühl“ im Vorfeld bei der Besetzung dieser Partie und der Zusammenstellung des Gespannes hätte vielleicht einiges verhindern können über das am Ende nach fünf ein viertel Stunden auch auf dem Gehweg vor dem fast vollbesetzten Saal der ehemaligen Gaststätte Vogel in Vilkerath noch diskutiert wurde.

- Das Trikot, mit dem Fußbabdruck drauf, fand keine Berücksichtigung bei der Urteilsfindung.
Der Verein muss für den Spielabbruch 50 € bezahlen und wegen grob unsportlichen Verhaltens seiner Zuschauer sowie mangelndem Ordnungsdienst 500 €. Zudem wurde dem Vorstandsmitglied Ergin Kanli eine Geldstrafe von 100 € belegt, wegen der Beleidigung des Assistenten. Die Verfahrenskosten in Höhe 182,80 € und die Fahrtkosten für die Schiedsrichter in Höhe von 66 € tragen zur Hälfte der Spieler Eichmeier sowie jeweils zu einem Viertel der Spieler Kilic und der Verein Gencler Birligi. Die Bergisch Gladbacher wollen nach Angaben von Trainer Erkan Kanli wohl in die Berufung gehen. Die dafür einzuhaltenden Fristen wurde von der Kammer deshalb auch vorsorglich auf fünf Tage verkürzt.